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Unternehmensverkauf: Eine Möglichkeit der Nachfolge

Wann der Verkauf sinnvoll ist

Der Unternehmensverkauf ist eine häufige Form der Nachfolgeregelung. Doch wann ist der Verkauf eigentlich sinnvoll? Markus Buhlrich, geschäftsführender Partner der Kanzlei SIEMER + PARTNER, erläutert, wann ein Verkauf vorteilhaft sein kann und welche weiteren, insbesondere steuerlichen Aspekte, zu berücksichtigen sind.

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err Buhlrich, wann kommen Sie beim Thema Unternehmensnachfolge ins Spiel?

Markus Buhlrich: Mein Spezialgebiet ist die Begleitung des Veräußerungsprozesses, dabei handelt es sich um den Teil, der das Unternehmen bereit macht, verkauft zu werden – bis hin zum tatsächlichen Verkauf. Natürlich geht es auch um die Abwicklung nach der Unterschrift. Denn der Verkauf ist dann oft noch nicht beendet. Es gibt auch im Nachhinein noch viele Dinge, die entschieden und damit oft begleitet werden müssen.

Es ist natürlich möglich, ein Unternehmen in der Familie an die Kinder- oder Enkelgeneration weiterzugeben. Allerdings ist Unternehmertum nicht vererbbar – das ist eine Typfrage.
Markus Buhlrich, Geschäftsführender Partner Siemer + Partner

Warum ist der Unternehmensverkauf eine so beliebte Option bei der Nachfolgeregelung?

Markus Buhlrich: Der Erfolg eines Unternehmens ist oft durch die Unternehmerpersönlichkeit geprägt. Es ist natürlich möglich, ein Unternehmen in der Familie an die Kinder- oder Enkelgeneration weiterzugeben. Allerdings ist Unternehmertum nicht vererbbar – das ist eine Typfrage. Ich würde meinen Kindern niemals vorgeben, dass sie Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater werden müssen. Warum müssen sie in meine Fußstapfen treten, wenn sie etwas ganz anderes machen wollen? Da muss man sich – gerade auch im Sinne seiner Verantwortung für das Unternehmen, die Familie und die Mitarbeiter -  Offenheit für die beste Lösung bewahren. Oftmals ist es dann die vernünftigere Variante, das Unternehmen zu verkaufen.  Für einen gelungenen Unternehmensverkauf müssen allerdings viele Puzzleteile zusammenpassen. Deswegen sollte der Unternehmer sich rechtzeitig um den Verkauf kümmern.

Wann sollte man sich ernsthaft mit dem Verkauf beschäftigen?

Markus Buhlrich: Ist geklärt, dass es eine interne Nachfolge nicht geben wird, wird jedem Unternehmer (hoffentlich rechtzeitig) bewusst,  dass seine produktive, gewinnbringende und innovative Zeit im Unternehmen keine unendliche ist. Nicht selten zeigen sich erste negative Auswirkungen der unklaren Zukunft – selbst wenn sie nur von außen an das Unternehmen herangetragen werden: So erklärt z. B. die Bank wortreich, warum wegen des Risikos (höheres Alter) die Zinsen höher und die Kreditaufnahme erschwert sind, strategisch wichtige Kunden fragen hier und da, wie es eigentlich weitergeht und halten sich mit langfristigen Zusagen zurück, mögliche Leistungsträger wählen andere Arbeitgeber. Dann ist der Verkauf häufig die richtige Option. 

Wie kann man einen Verkauf vorbereiten? 

Markus Buhlrich: Zunächst gilt es, das Unternehmen so aufzustellen, dass man es erfolgreich verkaufen kann. Durch eine ergebnisoptimierende Strategie, ein ordentliches Rechnungswesen, den Aufbau einer zweiten Reihe – individuelle Beispiele gibt es viele – können „schlummernde“ Kaufpreispotentiale gehoben werden. Ist dieser Grundstein gelegt, beginnt die Suche nach potentiellen Interessenten. Idealerweise wird früh genug damit begonnen, da ein Veräußerungsprozess – auch im Mittelstand – nicht selten zwischen zwei und fünf Jahren dauern kann. 

Sind noch zusätzliche steuerliche Aspekte bei einem Verkauf zu beachten?

Markus Buhlrich: Die steuerlichen Wirkungen unterschätzt der Laie häufig. Das – losgelöst von Besonderheiten – grundsätzlich ein Teil des Kaufpreises an den Fiskus geht, ist den meisten intuitiv klar. Hier ist der Steuerberater gefordert, zu optimieren. Darüber hinaus bestehen jedoch Risiken, denen man mit Intuition nicht begegnen kann. Wenn man vorher schon gegensteuert, bekommt man viele Dinge geregelt. Hinterher ist das oft schwierig – manchmal auch unmöglich.

Ich will Ihnen mal ein Beispiel geben:

Sie besitzen eine Immobilie. In dieser Immobilie ist Ihr Unternehmen tätig. Sie sind Alleineigentümer. Jetzt kommen Sie auf die Idee, sich zur Ruhe zu setzen. Deswegen verkaufen Sie Ihr Unternehmen nach entsprechender systematischer Vorbereitung erfolgreich für z. B. 500.000 EUR. Die Immobilie wollen Sie aber behalten. Die Immobilie haben Sie bis auf 100.000 EUR abgeschrieben, sie hat nunmehr einen Wert von 2.000.000 EUR und wird nicht (mit-)veräußert. Wenn Sie jetzt – vielleicht ein Jahr später – zu mir kommen und Unterstützung bei der Erstellung der Steuererklärungen brauchen, sähe meine überschlägige Berechnung in etwa so aus: Beispielsweise 300.000 EUR Gewinn aus der Veräußerung Ihres Unternehmens – und zusätzlich rund 1.900.000 EUR Gewinn wegen der sogenannten Überführung Ihrer Immobilie aus dem Betriebsvermögen in das Privatvermögen. Dann hätten Sie einen steuerlichen Gewinn von 2.200.000 EUR. Gehen wir mal näherungsweise von 50 % Gesamtsteuersatz aus. Dann bekommt der Fiskus rund 1.100.000 EUR von Ihnen, während Sie gerademal einen Kaufpreis in Geld von 500.000 EUR erhalten haben. Der „Supergau“ ist eingetreten. Das wollen und können wir natürlich verhindern. Deshalb wenden Sie sich rechtzeitig an die Experten von SIEMER + PARTNER.

Herr Buhlrich, vielen Dank für das Gespräch.

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