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Praxisgründung – aber richtig

Wie Ihnen die Existenzgründung mit Leichtigkeit gelingt

Viele Medizinstudenten träumen bereits im Studium von der eigenen Praxis. Praxisgründungen und Praxisübernahmen erfordern jedoch nicht nur medizinische Kompetenzen. Auch betriebswirtschaftliches Wissen und kaufmännisches Geschick sind gefragt – unbekanntes Terrain, vor dem viele Ärzte zurückschrecken. Mareike Gens und Antje Schulte, Fachberaterinnen für den Heilberufebereich der Kanzlei SIEMER + PARTNER begleiten Mediziner bei der Existenzgründung.

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rau Gens, Frau Schulte, viele Mediziner träumen von der eigenen Praxis, scheuen sich aber vor den betriebswirtschaftlichen Aufgaben der Existenzgründung. Wie unterstützen Sie mich als Arzt bei der Praxisgründung?

Mareike Gens: Bei der Existenzgründung steht unter anderem das Thema Praxis-Finanzierung an. Wie viel Kapital benötigen Sie und woher bekommen Sie es? Sie brauchen also zunächst ein Praxis-Konzept und einen Businessplan – wir als Kanzlei unterstützen Sie gerne bei der Ausarbeitung. Gemeinsam überlegen wir: An welchem Standort möchten Sie sich niederlassen? Möchten Sie eine Einzel- oder Gemeinschaftspraxis eröffnen? Welche Rechtsform ist sinnvoll? Gerne unterstützen wir Sie auch bei den Verhandlungen mit der Bank, nachdem wir das Finanzierungskonzept bzw. den Businessplan gemeinsam erarbeitet haben.
Antje Schulte: Zu einem Businessplan gehört immer auch eine sogenannte integrierte Erfolgs-, Liquiditäts- und Vermögensplanung. Dazu sind Umsatzpotenziale abzuschätzen, Aufwendungen zu ermitteln, Investitionen zu kalkulieren und natürlich auch die persönlichen Erwartungen an die eigenen Entnahmen abzuleiten. Auf diese Weise entstehen Planungsrechnungen bzw. ein Businessplan für die folgenden Praxisjahre, die wiederum Grundlage für z. B. Bankgespräche sein können.

Insbesondere die jeweilige Fachrichtung beeinflusst stark, welchen Zulauf und damit Umsatz Praxisgründer in einer bestimmten Region erwarten können.
Mareike Gens, Steuerberaterin Siemer + Partner

Was sollten Ärzte bei der Standortwahl berücksichtigen?

Mareike Gens: Insbesondere die jeweilige Fachrichtung beeinflusst stark, welchen Zulauf und damit Umsatz Praxisgründer in einer bestimmten Region erwarten können. Praxisgründer müssen sich außerdem informieren, ob ggf. Zulassungsbeschränkungen bestehen. Die Kassenärztliche Vereinigung berät dabei bei der Wahl des richtigen Standortes – wir begleiten unsere Mandanten bei der praktischen Umsetzung der Existenzgründung.

Woran müssen Mediziner denken, wenn sie mit einem Partner kooperieren möchten?

Mareike Gens: Zukünftige Partner müssen eine grundsätzliche Entscheidung treffen: Welche Kooperationsform wünschen sie? Eine häufige Form ist die sogenannte Gemeinschaftspraxis: Kooperierende Mediziner teilen sich nicht nur die Räumlichkeiten und das Inventar, sondern kümmern sich auch um die gemeinsamen Patienten. Das bedeutet auch, in einer Gemeinschaftspraxis übernehmen Sie für Ihren Partner die volle Haftung und rechnen gemeinsam ab. 
In einer sogenannten Praxisgemeinschaft behalten Sie dagegen Ihre Eigenständigkeit. Sie teilen sich die Räume und Gerätschaften, behandeln jedoch Ihren eigenen Patientenstamm und rechnen getrennt ab.

Was sollten Mediziner in steuerlicher Hinsicht bedenken, wenn sie eine Praxis gründen?

Antje Schulte: Zunächst einmal ist es wichtig, die einkommensteuerliche Situation überhaupt zu kennen und diese bereits in der vorgenannten Erfolgs- und Liquiditätsplanung aktiv zu berücksichtigen, denn wenn die Steuern auch häufig später anfallen, irgendwann steht der Liquiditätsabfluss an. Weiterhin ist es heutzutage wichtig, sich auch schon im Vorfeld mit dem Thema Umsatzsteuer auseinanderzusetzen. Zwar sind Heilbehandlungen grundsätzlich von der Umsatzsteuer befreit. Es gibt jedoch ärztliche Leistungen, die nicht als Heilbehandlungen gewertet werden und daher umsatzsteuerpflichtig sind. Maßstab ist in der Regel der Erstattungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen.

Mareike Gens: Ein schönes Beispiel ist aber auch die Schönheitschirurgie. Kosmetische Operationen sind keine Heilbehandlungen – Ärzte können daher durchaus Erträge erwirtschaften, die umsatzsteuerpflichtig sind. Wir empfehlen unseren Mandanten, mit uns Rücksprache zu halten, sobald Unklarheiten auftreten.

Eine Praxisgründung bringt häufig hohe Investitionen mit sich. Wie können Sie Ihren Mandanten bei den Investitionsentscheidungen beratend zur Seite stehen? 

Antje Schulte: Das Investitionspotenzial ist von Praxis zu Praxis sehr unterschiedlich –, so hat ein Facharzt in der Regel weitaus höhere Investitionen darzustellen als z. B. ein Hausarzt. 
Auch Ärzte können ihre Geräte über die sogenannten Nutzungsdauer abschreiben: Die Anschaffungskosten werden damit über mehrere Jahre verteilt. Wir prüfen im Einzelfall, ob die gesetzlich vorgegebene Nutzungsdauer in den Abschreibungstabellen auch dem tatsächlichen Einsatz in den Arztpraxen unserer Mandanten entspricht und passen die Nutzungsdauern gegebenenfalls an, diese sogenannten Abschreibungen sind wiederum Teil der angesprochenen Planungsrechnungen.

Wie unterstützen Sie Ihre Mandanten bei der laufenden Liquiditätsplanung?

Mareike Gens: Dadurch dass wir unsere Mandanten eng begleiten, häufig tagesaktuell, sind wir über die aktuelle wirtschaftliche Situation stets informiert und können deshalb z. B. zu Themen wie Kaufen, Finanzieren oder Leasen oder auch "Entnahmen tätigen ja/nein" unsere Mandanten aktiv beraten.

Frau Gens, Frau Schulte, vielen Dank für das Gespräch.

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