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Wenn der Wirtschaftsprüfer zum Wirtschaftscoach wird

Wie Ihnen die Jahresabschlussprüfung einen echten Mehrwert bringt

Die Jahresabschlussprüfung ist für viele mittelständische Unternehmen ein Schreckgespenst: Erreicht ein Unternehmen eine bestimmte Größe, muss der Jahresabschluss per Gesetz durch einen Wirtschaftsprüfer geprüft und testiert werden. In den seltensten Fällen sind Mittelständler auf den ersten Besuch der Abschlussprüfer vorbereitet. Warum Wirtschaftsprüfer zu Unrecht gefürchtet werden und wie Unternehmer und Unternehmen von den Erfahrungen der Wirtschaftsprüfer profitieren, verrät Jasmin Bottermann, Wirtschaftsprüferin und geschäftsführende Partnerin der Kanzlei SIEMER + PARTNER.

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rau Bottermann, wann muss der Jahresabschluss eines Unternehmens durch einen Wirtschaftsprüfer geprüft werden?

Jasmin Bottermann: Ob ein Unternehmen prüfungspflichtig ist, hängt von drei Größenkriterien ab: Der Bilanzsumme, den Umsatzerlösen und der Anzahl der Mitarbeiter. Erfüllt ein Unternehmen zwei von drei Kriterien in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren, ist eine Jahresabschlussprüfung durch einen Wirtschaftsprüfer erforderlich. Mit einem sogenannten Bestätigungsvermerk testiert der Abschlussprüfer das Ergebnis der Jahresabschlussprüfung. Dieses Testat müssen Unternehmen zusammen mit dem Jahresabschluss im Bundesanzeiger offenlegen. Für Geschäftsjahre, die ab dem 1. Januar 2016 beginnen, greift in Deutschland erstmals das Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRuG). Mit BilRuG sind die Größenklassen für die verpflichtende Jahresabschlussprüfung angehoben worden: Der Schwellenwert für die Bilanzsumme liegt nun bei 6 Millionen Euro, der Grenzwert für die Umsatzerlöse bei 12 Millionen Euro. Für die Anzahl der Mitarbeiter gilt nach wie vor eine Grenze von 50 im Jahresdurchschnitt.

Ein mittelständisches, inhabergeführtes Unternehmen ist zum ersten Mal prüfungspflichtig. Wie reagieren Unternehmen für gewöhnlich, wenn Sie klingeln?

Jasmin Bottermann: Beim ersten Mal werden wir oft mit einer gewissen Zurückhaltung empfangen. Das liegt daran, dass bei unserer Leistung das Wort Prüfung mitschwingt. Egal, worin man geprüft wird, es besteht immer eine gewisse Angst – sei es eine Schulprüfung, eine Fahrprüfung oder eben eine Jahresabschlussprüfung. Vor allem die operativen Mitarbeiter fragen sich: Warum werde ich überprüft? Habe ich etwas falsch gemacht? Werden meine Fehler an die Geschäftsleitung weitergetragen? Diese Angst versuchen wir den Mitarbeitern von Anfang an zu nehmen, indem wir genau beschreiben, was wir tun.

Wie gehen Sie als Wirtschaftsprüferin bei der Abschlussprüfung vor?

Jasmin Bottermann: Zunächst erklären wir, dass die Fragen, die wir stellen, nicht darauf abzielen, Fehler zu finden, sondern sicherzustellen, dass im Wesentlichen alles richtig läuft. Wir sind nicht der Gegenspieler, wir wollen ein Miteinander. Wir können ein Unternehmen nur dann prüfen, wenn wir genau wissen, was es tut und wie es funktioniert. Das heißt, im ersten Schritt möchten wir das Unternehmen kennenlernen. Wir sprechen mit den Mitarbeitern – von der Geschäftsleitung über relevante operative Bereiche bis zur Buchhaltung. Dabei stellen wir ganz konkrete Fragen zum Geschäftsmodell: Was ist das Kerngeschäft des Unternehmens? Welche Geschäftsbereiche gibt es? Wie viele Mitarbeiter sind in den Geschäftsbereichen tätig? Wie ist das Unternehmen aufgebaut? Wie sind die Geschäftsabläufe organisiert? Wir entwickeln also ein tiefgreifendes Verständnis für die Prozesse in einem Unternehmen.

Nur wenn ich ein Verständnis für die Geschäftsprozesse eines Unternehmens entwickle, kann ich den Jahresabschluss richtig prüfen.
Jasmin Bottermann, Wirtschaftsprüferin und geschäftsführende Partnerin der Kanzlei SIEMER + PARTNER

Jasmin Bottermann: Im nächsten Schritt analysieren wir dann diese Prozesse und beurteilen, ob deren Ausgestaltung das Unternehmen bei der Erreichung seiner Ziele voranbringen. Mit diesem sog. risikoorientierten Prüfungsansatz unterstützen wir das Unternehmen dabei, Geschäftsrisiken zu erkennen und zu beheben. Nehmen wir das Beispiel eines mittelständischen Bauunternehmens: Das Geschäft läuft seit vielen Jahren gut. Das Auftragsbuch ist voll, die Mitarbeiter sind beschäftigt, der Umsatz stimmt. Trotzdem erzielt das Unternehmen weniger Gewinn als noch vor einem Jahr – und der Chef steht am Ende des Jahres ratlos vor den Zahlen. Mittelständler sind gut in ihrem Metier – aber viele Unternehmer führen keine fundierte Nachkalkulation ihrer Projekte durch. Mithilfe von Prozess- und Kennzahlenanalysen öffnen wir unseren Mandanten die Augen für unbewusste Prozesse, die seit Jahren gelebt werden – und geben handfeste Verbesserungsvorschläge. Wir kommunizieren nicht nur fehlerhafte Bilanzzahlen. Wir weisen auf alle Geschäftsrisiken hin, die uns auffallen – und sei es, dass abends eine Tür nicht abgeschlossen wird.

Wie kommunizieren Sie die Ergebnisse Ihrer Abschlussprüfung?

Jasmin Bottermann: Das Gesetz gibt genau vor, was ein Abschlussprüfungsbericht enthalten muss – von der Auftragsbeschreibung bis hin zur Beschreibung des Prüfungsvorgehens. Das Resultat ist das Testat mit unserem Siegel als Qualitätsmerkmal. Unsere Prüfungsberichte enthalten außerdem eine Analyse der Vermögenslage, der Ertragslage und der Finanzlage. Dazu gehören zum Beispiel auch die Ergebnisse der Kennzahlenanalyse: Warum ist der Umsatz gesunken und gleichzeitig die Materialaufwandsquote gestiegen? Wohin sind die liquiden Mittel geflossen? Mit einem abschließenden Bericht für die Geschäftsleitung, dem sogenannten Management Letter, gehen wir mit unseren Mandanten in den Dialog. Wir weisen auf mögliche Auffälligkeiten hin, liefern konkrete Verbesserungsvorschläge für die Geschäftsprozesse und geben wertvolle Handlungsempfehlungen.

Wie können Sie als Wirtschaftsprüfer Ihre Mandanten noch unterstützen?

Jasmin Bottermann: Mit vielen Mandanten stehen wir auch unterjährig im Kontakt – auf diese Weise entstehen Vertrauensbeziehungen. Wir möchten erreichen, dass unser Team der erste Ansprechpartner bei betriebswirtschaftlichen Fragen ist. Wir verstehen uns nicht nur als Wirtschaftsprüfer, sondern auch als eine Art Wirtschaftscoach.

Frau Bottermann, vielen Dank für das Gespräch.

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