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Den Nachlass planen

Schenken oder vererben? Wie Sie Ihr Vermögen erfolgreich auf die nächste Generation übertragen

Betriebsanteile, Barvermögen, Immobilien oder Kunstsammlungen: Viele Unternehmer sammeln im Laufe ihres Lebens ein beachtliches Vermögen an. Unternehmer sollten sich daher rechtzeitig mit den Möglichkeiten der Nachlassplanung beschäftigen: So können Sie selbst entscheiden, wohin ihr Vermögen fließen soll und gleichzeitig ihre Steuerlast verringern. Martin Siemer, geschäftsführender Partner der Kanzlei SIEMER + PARTNER und Experte für Unternehmensnachfolge erläutert, wie Unternehmer ihr Vermögen erfolgreich auf die nächste Generation übertragen.

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err Siemer, vorab, was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Schenkung und einer Erbschaft?

Martin Siemer: Eine Schenkung ist eine Zuwendung unter Lebenden – eine Vermögensübertragung sozusagen mit „warmer Hand“. Die Erbschaft dagegen bezeichnet das Vermögen des verstorbenen Erblassers, das auf die testamentarisch oder gesetzlich eingesetzten Erben übergeht. 

 

Wann empfehlen Sie eine Schenkung?

Martin Siemer: Ob die Schenkung sinnvoll ist, muss im Einzelfall entschieden werden – dafür gibt es kein Patentrezept. Wir prüfen zuerst die individuelle Lebenssituation. Welche Erwartungen haben die Mandanten? Wie stellt sich die familiäre Situation dar? Ist der Beschenkte in der Lage, mit der Schenkung verantwortlich umzugehen? Wie groß ist das Vermögen? Und vor allem: Wie komplex ist es? Es ist ein großer Unterschied, ob es sich bei dem Vermögen um einen Geldbetrag auf einem Bankkonto oder um ein Unternehmen,  eine Unternehmensgruppe oder eine mitunternehmerische Beteiligung handelt. Dabei gilt: Schenken – also etwas mit warmer Hand übergeben – ist grundsätzlich natürlich (fast) immer die schönere Variante.

Gibt es steuerliche Unterschiede zwischen Schenkungen und Erbschaften?

Martin Siemer: Nein. Der Fiskus verlangt bei Erbschaften und Schenkungen die gleichen Steuern. Beide Varianten unterliegen der Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer. Das Bewertungsgesetz schreibt vor, nach welchen Kriterien ein Vermögen bewertet wird. Das Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz bestimmt die Steuerfreibeträge und die tatsächliche Höhe der Steuer. Wie hoch die Freibeträge im Einzelfall sind, hängt vom Verwandschaftsverhältnis ab: Zwischen Eheleuten gilt beispielsweise ein Freibetrag von 500.000 Euro, zwischen Eltern und Kindern ein Freibetrag von 400.000 Euro. Erbschaften und Schenkungen bis zur Höhe des jeweiligen Freibetrags bleiben steuerfrei. Übersteigt ein Vermögen den Freibetrag, wird es je nach Steuerklasse mit dem jeweiligen Steuersatz besteuert.

Haben Schenkungen aber dennoch auch mögliche steuerliche Vorteile?

Martin Siemer: Wenn Sie etwas lebzeitig überreichen, können Sie von einer Besonderheit des Gesetzgebers profitieren: Der Freibetrag der Schenkungsteuer erneuert sich alle zehn Jahre. Mittels eines systematischen Schenkungsprozesses können Erblasser ihr Vermögen schon zu Lebzeiten steueroptimiert an ihre Kinder übertragen. 

Wir empfehlen unseren Mandanten, Schenkungen frühzeitig und systematisch zu planen
Martin Siemer, geschäftsführender Partner der Kanzlei SIEMER + PARTNER

Wie funktioniert dieser systematische Schenkungsprozess genau?

Martin Siemer: Ein Beispiel: Ein Unternehmer möchte seinem Sohn ein Vermögen von  800.000 Euro übertragen. Zwischen Eltern und Kindern gilt ein steuerlicher Freibetrag von 400.000 Euro. Am 1. Januar 2017 schenkt der Vater seinem Sohn zunächst 400.000 Euro. Er nutzt  den Freibetrag von 400.000 Euro, Schenkungsteuer fällt nicht an. Genauso verfährt er am 1. Januar 2027. So kann der Unternehmer seinem Sohn 800.000 Euro übertragen – steuerfrei, ein zeitliches Erleben unterstellt. Ein Gegenbeispiel: Der Unternehmer hat keine Schenkung durchgeführt und verstirbt im hohen Alter und vererbt die oben genannten 800.000 Euro . Abzüglich des Freibetrags von 400.000 Euro beträgt das steuerpflichtige Vermögen nun 400.000 Euro, Erbschaftsteuer fällt an: 60.000 Euro. Durch einen systematischen Schenkungsprozess können Sie die Steuerlast also deutlich verringern.

Inwiefern können sich Schenkungen bei der Unternehmensnachfolge lohnen?

Martin Siemer: Bei der Schenkung von Unternehmen oder Unternehmensanteilen gibt es zurzeit noch, befristet bis zum 30. Juni 2016, einige hochinteressante Gestaltungsmöglichkeiten, die es erlauben, auch sehr hohe Werte oftmals steuerfrei auf die nächste Generation zu übertragen. Diese Gestaltungsmöglichkeiten sind im Einzelfall zu untersuchen, auch deshalb muss zu Beginn immer das persönliche Beratungsgespräch stehen. Nachdem nunmehr, seit Montag dem 20. Juni 2016, ein politischer Kompromiss bezüglich der „neuen“ Erbschaftsteuer gefunden worden ist, welcher am 24. Juni 2016 durch den Bundestag beschlossen worden ist, muss man sehen, wie es tatsächlich weitergeht. Die Zustimmung des Bundesrates am 8. Juli 2016 erscheint nicht sicher (Anmerkung: Der Bundesrat hat die bereits vom Bundestag verabschiedete Reform der Erbschaftsteuer voläufig gestoppt und den Vermittlungsschuss einberufen. Dieser berät am 8. September 2016. Stand: 8. Juli 2016). Damit gilt mehr als zuvor: „Erben will mehr denn je gelernt sein“. Wenden Sie sich gern an SIEMER + PARTNER, Herr Siemer steht Ihnen gerne für eine erste Kontaktaufnahme zur Verfügung.  

Herr Siemer, vielen Dank für das Gespräch.

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